Rückbenennung der Straße Alt Friedrichsfelde in Straße der Befreiung

Auf der BVV Sitzung Lichtenberg am 19. März hat die Fraktion Die Linke den Antrag gestellt, die Straße Alt Friedrichsfelde wieder in Straße der Befreiung zurückzubenennen. Der Name wurde 1992 gestrichen. Das in demselben Jahr, in dem dem sowjetischen Stadtkommandanten Nikolai Bersarin die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin aberkannt wurde. Diese Entscheidung mußte 2003 zurückgenommen werden.

Genossin Rosi Heyer begründete den Antrag besonders mit ihrem persönlichen Erleben als neunjähriges Kind. „Die Soldaten der Roten Armee haben auch mein Leben durch tägliche Essengabe gerettet.“ Sie zog daraus den Schluß: „Kaum einer von Ihnen hat einen Krieg erlebt – das soll auch so bleiben. … Vielleicht verstehen Sie jetzt besser, warum ich eine würdige Ehrung unserer Befreier durch den Straßennamen gut finden würde. Auch den vielen Opfern unter den Soldaten der Roten Armee wird damit Rechnung getragen.“

Wie zu erwarten war, löste der Antrag Diskussionen und Reaktionen aus. Die Nazis hatten bereits vorher den Raum verlassen. Als erster Erfolg ist zu bewerten, daß er in den Kulturausschuß verwiesen wurde, der am 5. Mai um 19 Uhr im Rathaus öffentlich tagt. Um dafür eine Diskussion in der Bevölkerung in Gang zu bringen, fand auf Initiative der Linkspartei am 21. April an dem Ort der damaligen sowjetischen Kommandantur eine symbolische Rückbenennung der Straße statt. Etwa 50 Genossinnen und Genossen der Linkspartei, der VVN, der GRH und der DKP anwesend. Erika Rathmann zog als Lehre aus der Geschichte unter anderem den Schluß unserer Verantwortung für die junge Generation. Die Bundestagabgeordnete Gesine Lötzsch machte darauf aufmerksam, wie schwer sich die BRD von Anfang an damit getan hat, den 8. Mai als Tag der Befreiung anzuerkennen. In diesem Zusammenhang nannte sie als große Ausnahme den Namen vom Richard von Weizsäcker.

Ein Herr Schupelius vom Springerkonzern machte im Zusammenhang der Rückbenennung darauf aufmerksam, daß es in den östlichen Bundesländern noch immer mehr als 600 Straßen gibt, die nach Ernst Thälmann benannt wurden. „Sie haben alle einen neuen Namen verdient. Das wäre ein wirklicher Akt der Befreiung. Denn Thälmann war KPD-Chef und wollte Deutschland in eine kommunistische Gewaltherrschaft verwandeln, bis er selbst von den Nazis gejagt und ermordet wurde.“

Es bleibt abzuwarten, wie die BVV Lichtenberg entscheiden wird.